DFG-Projekt „Öffentliche Anbindung: Individuelle Medienrepertoires und die Re-Figuration von Öffentlichkeiten“

Eine Untersuchung der Anbindung individueller Mediennutzerinnen und -nutzer an verschiedene Öffentlichkeiten und deren Beitrag zur Re-Figuration öffentlicher Kommunikation.


Projektleitung: Prof. Dr. Uwe Hasebrink (Hans-Bredow-Institut Hamburg)

Beteiligte Einrichtungen: Hans-Bredow-Institut Hamburg

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit: 2019-2022

Übergreifendes Ziel dieses Forschungsprojektes ist es zu untersuchen, wie sich individuelle Mediennutzerinnen und -nutzer an verschiedene Öffentlichkeiten anbinden und so zur Re-Figuration öffentlicher Kommunikation beitragen. Ihre Medienrepertoires und andere Formen der Anbindung an Öffentlichkeiten werden dabei als 'Repertoires öffentlicher Anbindung' analysiert. Diese umfassen im Verständnis der Autoren alle Orientierungen und Praktiken, mit Hilfe derer sich Individuen auf irgendeine Form von Öffentlichkeit beziehen. Dabei werden Öffentlichkeiten im Plural verstanden, als soziale Zusammenhänge, die über die unmittelbaren privaten Kontexte von Individuen hinausgehen. So können Individuen etwa Verbindungen zur nationalen Öffentlichkeit des Landes, in dem sie leben, herstellen, zur lokalen Öffentlichkeit ihres Wohnorts, zu bestimmten thematisch definierten Interessengruppen oder auch zu den Fan-Gemeinschaften bestimmter populärkultureller Phänomene.

Das Projekt verfolgt drei Forschungsziele: erstens die Analyse individueller Repertoires öffentlicher Anbindung und deren Beziehung zu biographischen und sozialen Kontexten; zweitens die Untersuchung der Konsequenzen dieser Repertoires für die kommunikativen Figurationen der verschiedenen Öffentlichkeiten; und drittens die Untersuchung der Konsequenzen aktueller Trends der Medienentwicklung für die Re-Figuration von Öffentlichkeiten.

Das Forschungsdesign umfasst komplementär angelegte Module. Mit Hilfe einer zwei-welligen qualitativen Panelstudie mit Medientagebüchern und halbstrukturierten Interviews soll im Detail untersucht werden, an welche Öffentlichkeiten sich Individuen aus welchen Gründen und mit Hilfe welcher kommunikativen Praktiken anbinden. Aufbauend auf diesem Modul wird eine standardisierte Repräsentativ-Befragung durchgeführt, die eine umfassende Beschreibung heutiger Repertoires öffentlicher Anbindung liefern wird. Das dritte Modul wendet das qualitative Vorgehen des ersten Moduls auf eine Stichprobe von 'Pionier-Nutzerinnen und -Nutzern' an, die sich durch ungewöhnliche und im Hinblick auf die Aneignung neuer Mediendienste innovative Praktiken der öffentlichen Anbindung auszeichnen.


Dieses Projekt ist Teil eines DFG-Projektverbundes, der insgesamt drei Forschungsprojekte beinhaltet, die sich mit dem gegenwärtigen Stand der Re-Figuration von öffentlicher Kommunikation aus drei verschiedenen Perspektiven auseinandersetzen. Sie alle gehen der übergeordneten Fragestellung nach, welche Konsequenzen die tiefgreifende Mediatisierung für die Re-Figuration von öffentlicher Kommunikation hat. Projekt A betrachtet dabei den Journalismus in Deutschland. Projekt B beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Journalismus und seinem Publikum und das vorliegende Projekt C betrachtet die Veränderungen in den Medienrepertoires und damit die Anbindung von Individuen an die Öffentlichkeit.

Teil des Verbundprojektes "Die Re-Figuration von öffentlicher Kommunikation in Zeiten tiefgreifender Mediatisierung: Pionierjournalismus, Publikumsbeziehungen und Anbindung von Individuen an Öffentlichkeit"

Ausgewählte Publikationen

  • Hasebrink, U. (2011): Giving the audience a voice. In: Journal of Information Policy, 1, 321–336.
  • – /Domeyer, H. (2012): Media repertoires as patterns of behaviour and as meaningful practices. In: Participations, 9(2), 757–783.
  • – /Hepp, A. (2017): How to research cross-media practices? Investigating media repertoires and media ensembles. In: Convergence, 13(4), 362–377.
  • – /Jensen, K. B./van den Bulck, H./Hölig, S./Maeseele, P. (2015): Changing patterns of media use across cultures: a challenge for longitudinal research. In: International Journal of Communication, 9(1), 435–457.
  • – /Popp, J. (2006): Media repertoires as a result of selective media use. In: Communications, 31(3), 369–387.
  • Merten, L. (2020): Contextualized Repertoire Maps - Exploring the Role of Social Media in News-Related Media Repertoires. In: Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, v. 21, n. 2. ISSN 1438-5627. Verfügbar unter: <http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/3235/4604>. [02.06.2020]