Die nachhaltige Bereitstellung von Software für die Forschung zu cross-medialen Praktiken und digitalen Spuren

Ein Co-Creation-Ansatz zur Entwicklung eines Infrastrukturmodells für die digitalen Medientagebuch- und Sortier-Applikationen MedTag und MedSort


Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Hepp (ZeMKI, Universität Bremen)

Beteiligte Einrichtungen: ZeMKI, Uni Bremen, Hans-Bredow-Institut Hamburg, Institut für Informationsmanagement Bremen

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit: 2018-2021

Grundlegendes Ziel dieses E-Research und IT-Infrastrukturprojekts ist, ein Modell der guten Praxis für die Bereitstellung von Forschungssoftware im Bereich von Medien und Kommunikation zu entwickeln. Damit dies so nah wie möglich an den Erfordernissen der Medien- und Kommunikationsforschung erfolgt und um nachhaltig eine Gemeinschaft von Forschenden aufzubauen, die die Software nutzt und weiterentwickelt, liegt dem Projekt ein Co-Creation-Ansatz zugrunde. Entwickelt wird das Modell der guten Praxis für zwei mobile Apps und webbasierte Anwendungen zur Erhebung und Auswertung von Daten zu cross-medialen Praktiken und ihren digitalen Spuren: die Medientagebuchsoftware MedTag und die erweiterte Q-Sort-Software MedSort. Beide Anwendungen existieren als Prototypen und wurden bereits in verschiedenen Forschungsprojekten erfolgreich eingesetzt und getestet. Das Projekt wird eine Open-Source-Infrastruktur und ein Geschäftsmodell entwickeln, die die langfristige Entwicklung und Verfügbarkeit der Forschungssoftware sicherstellen. Vorgesehen ist, sowohl die Sicherheit, Optionalität und Benutzerfreundlichkeit als auch die Zugänglichkeit der MedTag- und MedSort-Software zu verbessern. So soll erreicht werden, dass Forschenden der Medien- und Kommunikationsforschung ebenso wie Teilnehmenden an Forschungsprojekten, die nicht über technisches Spezialwissen verfügen, ein einfacher Zugang zur Software ermöglicht wird. Der Co-Creation-Ansatz des Projekts räumt den Nutzerinnen und Nutzern der Forschungssoftware eine im Vergleich zu anderen partizipativen Ansätzen der Softwareentwicklung sehr viel weiterreichende Rolle ein. Auf diese Weise kann eine Gemeinschaft von Forschenden aufgebaut werden, die die Software nutzt und sie (einschließlich des entsprechenden Geschäftsmodells) weiterentwickelt. Gleichzeitig soll so erreicht werden, dass die Software nachhaltig im interdisziplinären Feld der empirischen Medien- und Kommunikationsforschung verankert wird und die entwickelte Infrastruktur Schritt für Schritt auch für andere Arten von Software im Forschungsfeld geöffnet werden kann. Die nachhaltige Weiterentwicklung von MedTag und MedSort wird durch eine derzeit schon bestehende und erwartbar noch steigende, doppelte wissenschaftliche Nachfrage getragen: Erstens wird im Bereich der cross-medialen Forschung Software benötigt, die Daten zu medienübergreifenden Praktiken erfassen kann. Zweitens ist Software erforderlich, die online anfallende digitale Datenspuren angemessen kontextualisieren kann. Dies können die Prototypen MedTag und MedSort bereits teilweise leisten, jedoch müssen beide Anwendungen ebenso wie ihre Infrastruktur weiterentwickelt werden, um den weiterhin steigenden Herausforderungen cross-medialer Medien- und Kommunikationsforschung gerecht zu werden.

Ausgewählte Publikationen

  • Berg, M. / Düvel, C. (2012): Qualitative media diaries: An instrument for doing research from a mobile media ethnographic perspective. In: Interactions: Studies in Communication & Culture, 3 (1), S. 71-89.
  • Bjur, J. / Schrøder, K. C. / Hasebrink, U. / Courtois, C. / Adoni, H. / Nossek, H. (2014): Cross-media use: Unfolding complexities in contemporary audiencehood. In: Carpentier, N. / Schrøder, K. C. / Hallet, L. (eds.): Audience transformations. Shifting audience po-sitions in late modernity. London: Routledge, S. 15-29.
  • Breiter, A. / Hepp, A. (2017): The complexity of datafication: putting digital traces in context. In: Hepp, A. / Breiter, A. / Hasebrink, U. (eds.): Communicative figurations: Rethinking mediatized transformations. London: Palgrave Macmillan, S. 387-405.
  • Breiter, A. / Kubicek, H. (2016): Offene Verwaltungsdaten und Verwaltungstransparenz. Stand der Forschung und offene Fragen. In: Verwaltung und Management, 22 (6), S. 283-296.
  • Göpfert, T. / Breiter, A. (2015): Knowledge Discovery in Big Data: Herausforderungen durch Big Data im Prozess der Wissensgewin-nung am Beispiel des CRISP-DM. in: Douglas Cunningham, Petra Hofstedt, Klaus Meer, Ingo Schmitt, (Hrsg.), INFORMATIK 2015, Lecture Notes in Informatics (LNI). Bonn: Gesellschaft für Informatik, S. 1219-1230
  • Hasebrink, U. / Hepp, A. (2017): How to research cross-media practices? Investigating media repertoires and media ensembles. In: Convergence, 23(4), S. 362-377.
  • Hasebrink, U. / Popp, J. (2006): Media repertoires as a result of selective media use. A conceptual approach to the analysis of patterns of exposure. In: Communications, 31 (2), S. 369-387.
  • Hepp, A. / Roitsch, C. / Berg, M. (2016): Investigating communication networks contextually. Qualitative network analysis as cross-media research. In: MedieKultur, 32 (60), S. 87-106.
  • Loosen, W. (2015): Card Sorting. In: Diaz-Bone, R. / Weischer, C. (eds.): Methoden-Lexikon für die Sozialwissenschaften. Wiesbaden: Springer, S. 61.
  • Loosen, W. / Schmidt, J.-H. (2016): Multi-method approaches in journalism research. In: Witschge, T. (ed.): The SAGE Handbook of digital journalism. New Delhi, London, New York: Sage, S. 562-576.