Minderheiten und die Medien

Die Konstruktion religiöser Identität in Zeiten tiefgreifender Mediatisierung


Projektleitung: Prof. Dr. Kerstin Radde-Antweiler (ZeMKI, Universität Bremen) in Kooperation mit Prof. Dr. Dorota Hall (Polish Academy of Sciences)

Team: Marta Kołodziejska (Polish Academy of Sciences) und Łukasz Fajfer (Universität Bremen)

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit: 2018-2021

Die Medienberichterstattung zur Flüchtlingskrise hat die Tendenz der medialen Marginalisierung christlichen Minderheiten verstärkt. Dadurch sind vor allem die kleineren christlichen Gemeinschaften betroffen, was dazu führte, dass diese ihre Selbstbetrachtung in identitätsstiftenden Diskursen überdenken müssen. Fragen wie: „Wer sind wir?“ und „Welche Rolle spielen wir in der Gesellschaft?“ haben erneut an Bedeutung gewonnen. Medien spielen eine entscheidende Rolle bei diesen identitätsstiftenden Diskursen. Die Hauptfrage des Projektes lautet: Wie konstruieren die christlichen Minderheiten kommunikativ ihre Identität in und durch religiöse Medien? Es wird dabei vorausgesetzt, dass die verantwortlichen Mitarbeiter der christlichen Minderheitskirchen Medien nutzen (bewusst und unbewusst), um die Identität ihrer Gemeinschaften zu konstruieren. Dieser Konstruktionsprozess lässt sich in der Mediennutzung der religiösen Akteure samt bestimmter identitätsstiftenden Diskursen in unterschiedlichen Medien nachzeichnen. In dem Projekt werden die Orthodoxen Kirchen sowie die Kirchen der Siebenten-Tags-Adventisten in Polen und Großbritannien als Fallstudien genutzt, da sie jeweils eine andere religiöse Struktur und Demographie aufweisen sowie in beiden Ländern ein anderes Medienensemble vorliegt. Die Triangulation qualitativer Forschungsinstrumente und Erhebungsmethoden (Medien-Inhaltsanalyse, episodische Interviews) mit Techniken der Datenanalyse (kritische Diskursanalyse) soll verdeutlichen, welche Aspekte grundlegend für die kommunikativen Konstruktionsprozesse religiöser Identität sind. Dank des multi-methodischen Zugangs wird es möglich sein, die Abhängigkeit religiöser Identitäten von religiösen Landschaften sowie von religiösen Diskursen in den jeweiligen Ländern zu analysieren. Außerdem kann aufgezeigt werden, welche Machtkonstellationen bei den kommunikativen Konstruktionsprozessen religiöser Identitäten in den entsprechenden Gruppierungen eine Rolle spielen. Das Projekt kann damit eine Forschungslücke in der Religionswissenschaft, der Soziologie und der Kommunikations- und Medienwissenschaft schließen, indem es Zusammenhänge zwischen Mediendiskursen und Konstruktionsprozesse christlicher Minderheiten untersucht. Darüber hinaus integriert das Projekt eine vergleichende Perspektive, um damit die Unterschiedlichkeiten und Gemeinsamkeiten zwischen zwei Länder, zwei christlichen Konfessionen und zwei religiösen Landschaften zu analysieren.