Medien, Stadt, Bewegung: Medienwandel und kommunikative Figurationen des städtischen Lebens

Workshop am 4./5. Dezember 2015 im Haus der Wissenschaft, Bremen

Historische Studien zeigen: Das Entstehen der modernen Stadt und die Mediatisierung des städtischen Lebensraums gingen Hand in Hand. Hierfür stehen nicht nur die in urbanen Räumen entstehende „Massenpresse“, sondern auch das frühe Kino, Radio, Plakate auf Litfaßsäulen und vielfältige weitere „kleine Medien“ (Dayan 1999). Auch im heutigen Wandel urbaner Lebensräume haben vielfältige Medien einen herausgehobenen Stellenwert. Man denke hier nur an mobile Endgeräte, das Mobiltelefon mit seinen vielfältigen Apps, ortsbezogene Mediendienste, die verschiedenen „public screens“ und die Vielzahl hochgradig mediatisierter Events. Historisch und gegenwärtig wird dabei die Etablierung „neuer Medien“ immer wieder mit Kollektivbildungsprozessen und dem Entstehen sozialer Bewegungen in der Stadt verbunden: Urbane Identitäten und andere Formen der Kollektivbildung in der Stadt sind immer auch medial getragen. Und soziale Bewegungen sind immer auch Medienbewegungen. Die Arbeiterradiobewegung ist hier ein prominentes Beispiel aus den 1920er Jahren. In den städtischen Alternativszenen der 1970er und 1980er Jahre waren ihre Alternativmedien fester Bestandteil und die heutigen städtischen Bewegungen – „urban gardening“, „critical mass“, „occupy“ – stehen für ein „urbanes Leben in der Digitalmoderne“ (Rauterberg 2013). Ziel des Workshops ist es, dieses Wechselverhältnis von Medien, urbanen Räumen, Konstruktionen von Kollektivität, Entstehung von urbanen Bewegungen und ihren Aktivitäten durch eine Analyse der vielfältigen kommunikativen Figurationen des städtischen Lebens auszuloten. Der Workshop nimmt eine interdisziplinäre Perspektive ein und bringt Forscher und Forscherinnen aus der Kommunikations- und Medienwissenschaft mit den Sozial- und Geschichtswissenschaften zusammen. Leitende Fragestellungen über alle drei Panels hinweg sind:

  • Wie hängt der Wandel von „Stadt“ und „städtischem Raum“ mit dem Wandel von Medien und Kommunikation zusammen?
  • Welchen Stellenwert haben Medien für die kommunikative Konstruktion von „Kollektivität“, „Identitäten“ und „Vergemeinschaftung“ in der Stadt?
  • In welchem Bezug stehen „urbane Bewegungen“ zu Medien, deren Wandel und medienbezogenen Entwurfen von Kollektivität?

 

Die Dauer eines Vortrags soll 30 Minuten nicht übersteigen, damit hinreichend Diskussionszeit besteht. Es ist geplant, die Ergebnisse des Workshops in einem Sammelband zu veröffentlichen.

Download des Programms im PDF-Format

Freitag, 04.12.2015

09:00 Prof. Dr. Andreas Hepp, Dr. Sebastian Kubitschko, Prof. Dr. Inge Marszolek:
Begrüßung und Eröffnung

Panel 1: Medien, Identität und Stadt im historischen Wandel (Moderation: Prof. Dr. Julia Lossau)

09:15 Prof. Dr. Adelheid von Saldern, Leibniz Universität Hannover: Medien
und Stadt im 20. Jahrhundert: Kohärenzsysteme in historischer Perspektive

10:00 PD Dr. Lu Seegers, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg: Hamburger Medien und die Deutung des Hanseatischen (1920er bis 1960er
Jahre)

10:45 Dr. Daniel Morat, FU Berlin: Ortsgespräche. Das frühe Telefon in Berlin
1877-1914

11:30 Prof. Dr. Inge Marszolek & Dr. Yvonne Robel: Zur medialen Vermessung
städtischen Raums in den 1950er Jahre

12:15 Mittagsimbiss

13:15 Abschlussdiskussion Panel 1

Panel 2: Medien und urbane Vergemeinschaftung (Moderation: Prof. Dr. Joachim R. Höflich, Universität Erfurt)

14:15 Prof. Dr. Gabriela Christmann, Leibnitz-Institut für Regionalentwicklung und
Strukturplanung: Raumpioniere in der Quartiersentwicklung und ihre kommunikativen Figurationen

15:00 Dr. Regine Buschauer, Zürich: Diesseits der ‚Smart City‘. Visionen
und Figurationen der mobilen Stadt

15:45 Kaffeepause

16:15 Prof. Dr. Andreas Hepp, Dr. Sebastian Kubitschko, Piet Simon, Monika Sowinska, Universität Bremen: Kommunikative Figurationen der Vergemeinschaftung in der mediatisierten Stadt

17:00 Abschlussdiskussion Panel 2

19:00 Abendessen

Samstag, 05.12.2015

Panel 3: Medien und urbane Bewegungen (Moderation: Prof. Dr. Ove Sutter, Universität Bonn)

09:15 Prof. Dr. Christoph Bieber, Universität Duisburg-Essen: Zur Politik der Smart City – Stadtentwicklung und -verwaltung im Zeichen der „Civic Tech“- Bewegung

10:00 Dr. Ulrike Klinger, Universität Zürich: Vom Tahir-Platz bis zu Pegida: Urbane Bewegungen und Social Media

10:45 Kaffeepause

11:00 Prof. Dr. Andreas Hepp: Pioniergemeinschaften im städtischen Raum

11:45 Dr. Sigrid Kannengießer: Repair Cafés – urbane Orte der Reparaturbewegung

12:30 Mittagsimbiss

13:30 Abschlussdiskussion Panel 3

14:30 Ende des Workshops