Vorträge auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 2016

Mitglieder des Forschungsverbundes "Kommunikative Figurationen" halten Vorträge auf der Jahrestagung der DGPuK vom 31. März bis 1. April in Leipzig

Vom 31. März bis 1. April findet die 61. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) in Leipzig statt. Folgende Mitglieder des Forschungsverbundes "Kommunikative Figurationen" sind mit Vorträgen vertreten:

Uwe Hasebrink
31.03.2016: 09:30-10:30
Keynote

Andreas Hepp, Matthias Berg, Cindy Roitsch
31.03.2016: 11:00-12:30
Mediengeneration als Prozess: Zur Mediatisierung der Vergemeinschaftungshorizonte von jüngeren, mittelalten und älteren Menschen
In unserem Vortrag wollen wir die abschließenden Forschungsergebnisse unseres sechsjährigen DFG-Projektes zur kommunikativen Vernetzung und Mediatisierung der Vergemeinschaftungshorizonte von Menschen unterschiedlichen Alters vorstellen. Unserer Empirie liegt eine qualitative Netzwerkanalyse zugrunde (siehe für einen solchen Rahmen Hepp et al. 2014; Hollstein/Straus 2006), die Interviews mit freien Netzwerkzeichnungen, Tagebuchaufzeichnungen und weiteren medienethnografischen Dokumentationen kombiniert. Hierbei wurden insgesamt 160 Fälle untersucht, zuerst Menschen jüngeren Alters (16-30), dann ältere Menschen (über 60 und im Rentenalter) und schließlich Menschen zwischen 31 und 59 Jahren.

Matthias Bixler, Thomas N. Friemel
31.03.2016: 11:00-12:30
Soziale Netzwerke der Mediennutzung Jugendlicher – Selektion und Beeinflussung in der Auswahl von TV-Sendungen und YouTube-Kanälen
YouTube und TV sind die beliebtesten Bewegtbildinhalte unter Jugendlichen. Wir untersuchen die Nutzung von TV-Sendungen und YouTube-Kanälen von Jugendlichen auf Prozesse der sozialen Selektion und Beeinflussung mit einem Netzwerkansatz im Längsschnittdesign. Soziale Beeinflussung findet statt, wenn Jugendliche ihre Medienpräferenzen derjenigen ihres persönlichen Umfelds angleichen. Bei sozialer Selektion werden soziale Beziehungen nach den Medienpräferenzen eingegangen. Um diese beiden Prozesse unterscheiden zu können, wurde die Mediennutzung in Bezug auf TV-Programme und YouTube-Kanäle sowie das Freundschaftsnetzwerk in einem 10. Schuljahrgang zu drei Zeitpunkten erhoben (n = 89, M = 16.7) und mittels eines akteursorientierten Multilevel-Netzwerk-Modell (SIENA) analysiert. Die Nutzung von TV-Programmen und YouTube-Kanälen wird dabei jeweils als bimodales Netzwerk verstanden, in dem die Jugendlichen mit den Medieninhalten verbunden sind, die sie häufig nutzen. Modelliert wird deren Koevolution mit dem Freundschaftsnetzwerk, während innere Netzwerkdynamiken und Mediennutzungsfrequenz sowie Geschlecht, Alter und Klassenzugehörigkeit kontrolliert werden. Das Modell ergibt signifikante Effekte für soziale Beeinflussung für TV-Programme und YouTube-Kanäle, jedoch keine Selektions-Effekte.

Andreas Hepp, Uwe Hasebrink mit Jo Reichertz (KWI Essen)
01.04.2016: 11:00-12:30
Konstruktivismus in der Kommunikationswissenschaft: Entwicklungen eines Theorieparadigmas
Das Jahr 2016 gibt gleich mit zwei Jubiläen Anlass, sich mit konstruktivistischen Perspektiven in der Kommunikationswissenschaft auseinanderzusetzen: 50 Jahre zuvor erschien der wohl wichtigste Schlüsseltext des Sozialkonstruktivismus, „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ von Peter L. Berger und Thomas Luckmann (1967). 25 Jahre später verankerte das „Funkkolleg Medien und Kommunikation“ (Merten et al. 1994) konstruktivistische Grundgedanken fest in der Fachdebatte. Dieses Buch steht für die Weiterentwicklung des Fachs hin zu einer Disziplin, die nicht nur Theorien anderer Fächer importieren möchte, sondern die auch einen originären Beitrag zur sozialwissenschaftlichen Theorieentwicklung insgesamt leisten möchte.
Der hier vorgeschlagene Beitrag hat ein dreifaches Ziel. Erstens wollen wir die Entwicklung des konstruktivistischen Denkens in der Kommunikationswissenschaft nachzeichnen. Zweitens und ausgehend davon geht es uns darum herauszuarbeiten, worin der Kernbeitrag des konstruktivistischen Denkens in der Kommunikationswissenschaft besteht. Drittens dient uns dies als Basis dafür, die Perspektiven einer solchen Zugangsweise für das Fach zu verdeutlichen.

Wiebke Loosen und Julius Reimer mit Jan-Hinrik Schmidt (Hans-Bredow-Institut) und Nele Heise
01.04.2016: 11:00-12:30 · Ort: HS 16
„Wir senken die Mauer zwischen Community und Redaktion ab!“ Publikumsbeteiligung beim “Freitag”
Angebote zu verschiedenen Formen der Publikumsbeteiligung werden in den meisten journalistischen Redaktionen längst als obligatorisch erachtet. Es lassen sich aber vielfältige (redaktionelle) Strategien beobachten, bei denen dem Publikum unterschiedlich viele und unterschiedlich umfassende Formen der Beteiligung eingeräumt werden. Der Beitrag basiert auf einer Fallstudie zur Wochenzeitung „Der Freitag“, die bereits mit dem Relaunch ihrer Website im Jahre 2009 ihrem Publikum – der „Freitag-Community“ – die Produktion eigener Beiträge sowohl für das Online- als auch für das Print-Angebot eingeräumt hatte. Es wird gezeigt, dass eine solche tiefgreifende Form der Publikumsbeteiligung für Redaktion und Nutzer u. a. eine Differenzierung von Praktiken, Ansprüchen und Rollen mit sich bringt, die beide Seiten managen müssen. Dabei wird deutlich, dass beim „Freitag“ Print- und Online-Angebot sowie Redaktion und (aktives) Publikum in einem vielschichtigen, sich wechselseitig ermöglichenden Zusammenhang stehen, in dem grundlegende und weitergehende Inklusionsleistungen sowie „klassisch“ und partizipativ orientierte Inklusionserwartungen voneinander abhängen und aufeinander aufbauen.

Michael Brüggemann mit Sven Engesser (Universität Zürich)
01.04.2016: 14:00-15:30
Die gesellschaftliche Relevanz des Klimawandels: Empirische Überprüfung systemtheoretischer Annahmen zu binären Codes und Mehrsystemzugehörigkeit
Luhmanns Systemtheorie haftet trotz ihres Erfolgs in der Sozialwissenschaft der Vorwurf der Empirieferne an. Mit dem vorliegenden Beitrag begegnen wir dieser Kritik und überprüfen Annahmen zu Kernelementen der Systemtheorie an einem Beispiel aus der ökologischen Kommunikation. Zu diesem Zweck operationalisieren wir die binären Codes der zentralen sozialen Systeme und fassen sie zu einem Index der Mehrsystemzugehörigkeit zusammen. Damit führen wir eine Inhaltsanalyse der Klimaberichterstattung führender Print- und Onlinemedien aus fünf Ländern (CH, DE, IN, UK, US) durch (N = 936). So können wir zeigen, dass binäre Codes und Mehrsystemzugehörigkeit die Medienrealität prägen und Ausdruck journalistischer Professionalität sind. Der Code der Nachhaltigkeit spielt zwar keine so große Rolle wie die Codes der etablierten sozialen Systeme, lässt sich jedoch als Hinweis auf die potentielle Emergenz eines Umweltsystems interpretieren. Wir weisen nach, dass systemtheoretische Annahmen empirisch überprüfbar sind, was auch Implikationen für benachbarte Disziplinen haben könnte.

Das vollständige Programm der Jahrestagung ist hier abzurufen.